Wanderausstellungen
Sie möchten neue Themen in Ihr Museum bringen? Eine Sonderausstellung ist eine willkommene Abwechslung für Ihr Publikum? Sie sind interessiert an nachhaltigen Ausstellungspraktiken, zeitgemäßer Besucher:innenansprache und innovativen Vermittlungsformaten?
Das LWL-Museumsamt für Westfalen entwickelt Wanderausstellungen zu vielfältigen Themen, die auch in Ihrem Museum gezeigt werden können. Unsere Kolleg:innen übernehmen Konzeption und Organisation, Produktion und Logistik, Auf- und Abbau. Zu vielen der Wanderausstellungen bieten wir Ihnen begleitende Angebote der Bildung und Vermittlung an, die auf Ihr Museum angepasst werden können. Die Wanderausstellungen des LWL-Museumsamtes sind für die Leihnehmer:innen kostenfrei. Sie touren in einem abgestimmten Rhythmus durch verschiedene Museen Westfalen-Lippes.
Derzeit erarbeiten wir neue Strategien für unsere Wanderausstellungen. Hierbei richtet sich unser Blick insbesondere auf nachhaltige Strategien, Publikumsorientierung und Inklusion. Unser Newsletter informiert Sie verlässlich über alle Neuigkeiten im Bereich Wanderausstellungen.
Hier finden Sie einen Überblick über aktuelle und zukünftig geplante Ausstellungen sowie ein Ausstellungsarchiv.
Aktuelle Ausstellungen
Das Klima in Westfalen
Eine Wanderausstellung des LWL-Museumsamtes für Westfalen in Kooperation mit dem LWL-Museum für Naturkunde
Das Klima prägt die Menschen, alle weiteren Lebewesen und den Planeten Erde. Der Klimawandel und seine Folgen sind weltweit spürbar, auch in Westfalen. Mit der Wanderausstellung „Das Klima in Westfalen“ bringt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) das Thema in die Museen der Region. Die Ausstellung ist ab dem 6. Juli 2025 im Städtischen Museum Herford zu sehen und wird anschließend bis November 2026 an acht weiteren Standorten in Westfalen-Lippe gezeigt.
Die Ausstellung, die in Kooperation zwischen dem LWL-Museumsamt für Westfalen und dem LWL-Museum für Naturkunde in Münster entstand, schlägt einen Bogen von der Entstehung der Erde, über die Gegenwart bis in die Zukunft. In fünf Kapiteln spürt sie grundlegenden Fragen nach: Was ist das Klima? Wie hat sich das Klima erdgeschichtlich entwickelt? Was ist der menschengemachte Klimawandel? Was sind seine Folgen? Und wie kann diesen Folgen begegnet werden?
Zu sehen sind beispielsweise Fossilien von Tieren, die in früheren Erdzeitaltern in Westfalen lebten, als sich hier ein Meer befand oder als es deutlich kälter war als heute. Geräte zum Kohle- und Torfabbau stehen für den Einfluss des Menschen auf das Klima. Anhand von Tierpräparaten werden Klimagewinner und Klimaverlierer des menschengemachten Klimawandels aus der Tierwelt vorgestellt. Neben Museumsobjekten bietet die Ausstellung zahlreiche Abbildungen, Grafiken und Medienstationen. Tastbare Objekte und Mitmachstationen laden dazu ein, selbst aktiv zu werden. Ein Audioguide richtet sich an blinde und sehbehinderte Menschen und alle, die lieber hören als lesen möchten.
„Die Zusammenarbeit mit dem LWL-Museum für Naturkunde ist richtungsweisend, denn im Zusammenspiel der Institutionen gelingt es, aktuelle Themen publikumsorientiert und wissenschaftlich fundiert in die Fläche zu bringen“ sagt Heike Kropff, Leiterin des LWL-Museumsamtes für Westfalen. Museumsdirektor Dr. Jan Ole Kriegs ergänzt: „Klimawandel und Klimaschutz gehören zu den drängendsten Themen unserer Zeit. Die Ausstellung zeigt auf wissenschaftlicher Basis, wo wir aktuell stehen und welche Handlungsoptionen es gibt.“
Das LWL-Museum für Naturkunde zeigte von Juni 2022 bis Januar 2024 die Sonderausstellung „Das Klima“. Sie bot auf ca. 1.000 Quadratmetern eine Reise in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Klimas mit zahlreichen Objekten und Inszenierungen. Im Anschluss erarbeitete das LWL-Museumsamt für Westfalen auf dieser Grundlage die Wanderausstellung „Das Klima in Westfalen“. Sie präsentiert das Thema in komprimierter Form und mit einem stärkeren Fokus auf Westfalen-Lippe.
Ausstellungsstationen
Städtisches Museum Herford
06.07.2025 – 31.08.2025
Museum Wendener Hütte, Wenden
14.09.2025 – 02.11.2025
Naturkunde-Museum namu, Bielefeld
09.11.2025 – 11.01.2026
Museum Haus Kupferhammer, Warstein
18.01.2026 – 15.03.2026
Museum Abtei Liesborn, Wadersloh
22.03.2026 – 17.05.2026
Medizin- und Apothekermuseum Rhede
24.05.2026 – 19.07.2026
Stadtmuseum Bergkamen
26.07.2026 – 20.09.2026
kult Westmünsterland, Vreden
27.09.2026 – 22.11.2026
Kosmos des Lebens. Die Fotografin Annelise Kretschmer
Eine Wanderausstellung des LWL-Museumsamtes für Westfalen
Die Dortmunderin Annelise Kretschmer (1903-1987) gehört zu den bedeutenden deutschen Fotografinnen des 20. Jahrhunderts. Mit der Wanderausstellung „Kosmos des Lebens. Die Fotografin Annelise Kretschmer“ würdigt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) die Arbeit dieser Künstlerin. Ausstellungsreproduktionen aus dem Bestand des LWL-Museums für Kunst und Kultur in Münster zeichnen ihre künstlerische Entwicklung in vier Kapiteln nach. Die Ausstellung ist ab dem 25. Januar 2024 im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund und dann bis Oktober 2025 an sieben weiteren Standorten in Westfalen-Lippe zu sehen.
In den künstlerischen Entwicklungen der Weimarer Republik wie der Neuen Sachlichkeit oder des Bauhauses erarbeitete sich Annelise Kretschmer mit ihrem bildnerischen Werk eine eigenständige Position. Auch nach der Zäsur des Zweiten Weltkrieges verfolgte sie ein eigenes ästhetisches Konzept. Ihre Aufnahmen – ob von Personen, Orten oder Gegenständen – ergründen das Wesen des Dargestellten: Mit besonderer Sensibiltät fing Kretschmer Emotionen und Charakter des fotografierten Gegenüber ein.
Als eine der ersten Frauen in Deutschland, die ein Fotoatelier eröffneten, fand Annelise Kretschmer bereits in den späten 1920er Jahren international Anerkennung. Sie nahm an wichtigen Ausstellungen des noch jungen Mediums Fotografie teil, wie der „Film und Foto“ in Stuttgart und publizierte in Zeitschriften. Die NS-Zeit bedeutete für Kretschmer, die einen jüdischen Vater hatte, nicht nur persönlich sondern auch beruflich einen großen Einschnitt. Zwar konnte sie in geringem Umfang weiter arbeiten, an die frühen Erfolge aber nicht wieder anschließen.
In der Nachkriegszeit wurde sie eine feste Größe im Dortmunder Kulturleben. Sie porträtierte zahlreiche Künstler:innen und Kulturschaffende. Aber auch andere Personen wie Industrielle oder Wissenschaftler:innen wurden von ihr fotografiert. Kretschmer entwickelte eine bildnerische Sprache, mit der sie die Persönlichkeit des Menschen einfangen konnte. Ihre Porträt-Aufnahmen sprechen durch ihre Unmittelbarkeit an und berühren. Sie schafft eine Situation des direkten Kontaktes zwischen Betrachtenden und fotografischem Abbild.
„Mit dieser Ausstellung rücken wir eine ganz besondere Künstlerin in den Fokus. Ihre Arbeiten, vor allem ihre Porträts, bestechen durch Intensität und Unmittelbarkeit des Ausdrucks“, sagt die Kuratorin der Ausstellung, Ute Christina Koch. „Mit den Werken aus dem LWL-Museum für Kunst und Kultur ist es uns möglich, eine der wichtigsten, überwiegend in Westfalen arbeitenden Fotografinnen der frühen Moderne einem breiten Publikum vorzustellen. Das entspricht unserem Auftrag, die Menschen der Region am Kulturbetrieb teilhaben zu lassen und die Museen in Westfalen-Lippe zu stärken“, ergänzt Heike Kropff, Leiterin des LWL-Museumsamtes.
Die Ausstellung „Kosmos des Lebens“ zeichnet in vier chronologisch aufeinander aufbauenden Kapiteln das künstlerische Schaffen und Leben Kretschmers nach. Interessierte können sich nicht nur in der Ausstellung sondern auch in digitalen Führungen der Künstlerin thematisch nähern, beispielsweise in Hinblick auf ihre Netzwerke. Die Führungen werden mittels eines QR-Codes vor Ort im Museum bereit gestellt. Zudem haben die Geschichtsmanufaktur Dortmund und Sophie Reinlaßöder vom LWL-Museumsamt ein museumspädagogisches Begleitprogramm für Erwachsene sowie Familien entwickelt.
Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster. Das Museum hat im Dezember 2019 den Nachlass der Künstlerin, bestehend aus 2.600 Fotografien als Originalvergrößerungen und etwa 13.000 Negativen, erworben.
Ausstellungsstationen
Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund
25.01.2024 - 21.04.2024
Kult – Kultur und lebendige Tradition, Vreden
26.04.2024 - 23.06.2024
Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte
30.06.2024 - 25.08.2024
Stadtmuseum Iserlohn
30.08.2024 - 27.10.2024
Bauernhausmuseum Bielefeld
03.11.2024 - 23.12.2024
Mindener Museum
18.01.2025 - 16.03.2025
Stadtmuseum Brakel
23.03.2025 - 18.05.2025
Südwestfälische Galerie im Schieferbergbau- und Heimatmuseum Schmallenberg
25.05.2025 - 20.07.2025
Museen der Stadt Lüdenscheid
27.07.2025 - 26.10.2025
Städtische Museen Rheine
02.11.2025 - 01.02.2026
Ausstellungsvorschau
Mission Machen. Neue Perspektiven auf das westfälische Handwerk
Eine Wanderausstellung des LWL-Museumsamtes für Westfalen in Kooperation mit dem LWL-Medienzentrum für Westfalen und dem LWL-Freilichtmuseum Hagen
Vorhang auf und Bühne frei für das westfälische Handwerk! Wer schon immer einmal einem Bürstenmacher, einem Imker, einer Tätowiererin oder einem Kunstaugenmacher bei der Arbeit über die Schulter schauen wollte, ist hier richtig.
Die Fotografin Tuula Kainulainen vom LWL-Medienzentrum dokumentierte fast zweieinhalb Jahre Entwicklungen und Trends in modernen Werkstätten und Betrieben der Region Westfalen-Lippe. Sie thematisiert, woher diese Menschen ihre tägliche Inspiration beziehen, welchen Herausforderungen sie sich dabei stellen müssen und welche Formen der Selbstwirksamkeit sie bei der Ausübung ihres Berufes erfahren. Die Fotografien vermitteln einen persönlichen Einblick in Alltagssituationen westfälischer Handwerker:innen, die sich aufgeschlossen, erfinderisch und engagiert zeigen. Ihre Fotografien ermöglichen in klarer Bildsprache unmittelbare Einblicke in Arbeitswelten, die sonst oft im Verborgenen bleiben.
Die porträtierten Handwerksbetriebe teilen nicht nur die Region Westfalen-Lippe als ihren Standort, sie alle zeigen sich individuell verantwortungsvoll. Einige handeln ökologisch-nachhaltig durch die Verwendung ausgewählter Rohstoffe, die Vermeidung von Abfall und eine ressourcenschonende Verarbeitung. Andere engagieren sich gesellschaftlich-sozial beispielsweise durch die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund und die Inklusion von Menschen mit Behinderung.
Welchen Einfluss haben Themen wie Nachhaltigkeit und Umweltschutz, Digitalisierung und Globalisierung, Inklusion und Integration auf den Berufsalltag von Menschen in handwerklichen Tätigkeitsfeldern?
In vier Themenbereichen präsentiert die Ausstellung über 150 Fotografien lebendiger Werk- und Arbeitsstätten und rückt dabei immer wieder die Menschen hinter dem Handwerk in den Fokus, wie über in die Ausstellung eingebundene Interviews. Typische Werkzeuge und Materialien werden gezeigt und dürfen von den Besucher:innen in die Hand genommen werden. Eine Mitmach-Station lädt dazu ein, einige der gezeigten Tätigkeiten selber auszuprobieren. Zu der analogen Ausstellung ist eine virtuelle Ausstellung entstanden, die mit weiterem Bild- und Filmmaterial aufwartet.
„Mission Machen. Neue Perspektiven auf das westfälische Handwerk“ entstand als ein Kooperationsprojekt des LWL-Freilichtmuseums Hagen (Laufzeit vor Ort 15. Juni – 31. Oktober 2025) und des LWL-Medienzentrums für Westfalen. Ab Februar 2026 bringt das LWL-Museumsamt für Westfalen die Ausstellung als Wanderausstellung auf Tour.
Ausstellungsstationen
Emschertal-Museum der Stadt Herne
01.02.2026 – 12.04.2026
Stadtmuseum Werne
23.04.2026 – 28.06.2026
Museumsbahnhof Bad Oeynhausen
05.07.2026 – 13.09.2026
Institut für Stadtgeschichte (RETRO STATION) Recklinghausen
18.09.2026 – 27.11.2026
Museum Wilnsdorf
05.12.2026 – 21.02.2027
Südwestfälische Galerie im Schieferbergbau- und Heimatmuseum Schmallenberg
28.02.2027 – 09.05.2027
kult – Kultur und lebendige Tradition Westmünsterland, Vreden
16.05.2027 – 25.07.2027
Villa Medica – Medizin- und Apothekenmuseum, Rhede
01.08.2027 – 10.10.2027
Baumberger Sandstein Museum, Havixbeck
17.10.2027 – 12.12.2027
Kleine Leute in Westfalen (Arbeitstitel)
Eine Wanderausstellung des LWL-Museumsamtes für Westfalen
2024 veröffentlichte das LWL-Museumsamt die Publikation „Kleine Leute in Westfalen. Leben in bescheidenen Verhältnissen“. Sie bietet eine anregende, 300 Jahre umspannende Zeitreise in die Welt der Kleinen Leute in Westfalen-Lippe. Am Beispiel der Biografien von 72 Menschen wird das Leben in bescheidenen Verhältnissen vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart vorgestellt. Mit großer Anschaulichkeit und emotionaler Nähe porträtieren Fachautorinnen und Fachautoren Personen aus der breiten Masse der Bevölkerung: Arbeiterinnen und Arbeiter, Kötter und Heuerlingsfrauen, Bergleute, Hausangestellte, Armenhausbewohnerinnen, kleine Händlerinnen und Händler und viele mehr. Ihre Biografien zeugen vom Lebenskampf Kleiner Leute, aber auch von Heiterkeit, Lebensfreude und Erfolg – und nicht selten vom Stolz auf ihre Lebensleistung.
Das LWL-Museumsamt für Westfalen erarbeitet auf Grundlage der Publikation eine Wanderausstellung mit dem Arbeitstitel „Kleine Leute in Westfalen“. Sie wird eine Auswahl der porträtierten Personen sowie die mit ihnen verbundenen Museumsobjekte vorstellen. Dazu zählen etwa Kleidungsstücke, Haushaltsgegenstände, Musikinstrumente, Arbeitsgeräte und Dokumente. In bewährter Form werden somit Leihgaben aus westfälischen Museen zu sehen sein. Eingebettet sind sie in Lebensgeschichten von Menschen aus der breiten Masse der Bevölkerung, die sie genutzt oder besessen, im Einzelfall auch hergestellt haben.
Ausstellungsstationen
Mindener Museum
10.10.2026 – 06.12.2026
Südsauerlandmuseum, Attendorn
13.12.2026 – 14.02.2027
Museum der Stadt Lünen
21.02.2027 – 18.04.2027
Sauerlandmuseum, Arnsberg
23.04.2027 – 20.06.2027
Kreismuseum Wewelsburg, Büren
27.06.2027 – 22.08.2027
Tabak- und Zigarrenmuseum Bünde
29.08.2027 – 24.10.2027
Emschertal-Museum der Stadt Herne
04.11.2027 – 09.01.2028
Baumberger Sandstein Museum
16.01.2028 – 12.03.2028
kult Westmünsterland, Vreden
März 2028 – 14.05.2028
Ausstellungsarchiv
Mahnende Erinnerung. Fotografien von Dieter Blase zu Mahn- und Gedenkorten in Nordrhein-Westfalen
Eine Wanderausstellung des LWL-Museumsamtes für Westfalen
Die Erinnerungskultur prägt die deutsche Geschichte der Nachkriegszeit bis heute. Sie gilt als ein Indikator für eine offene und demokratische Gesellschaft. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) zeigt vor diesem Hintergrund die Wanderausstellung „Mahnende Erinnerung. Fotografien von Dieter Blase zu Mahn- und Gedenkorten in Nordrhein-Westfalen“. Mit seinen Bildern lenkt der Fotograf Dieter Blase (1953-2023) den Blick auf zahlreiche Erinnerungsorte in Nordrhein-Westfalen und regt zum Nachdenken über die Gegenwart und Zukunft der Erinnerung an. Die Ausstellung wird zwischen Januar 2024 und August 2025 nacheinander in sieben Museen in Westfalen gezeigt.
Erinnerungsorte und Gedenkstätten sind Teil der kulturellen Landschaft. So existieren an historischen Orten, die oft „Tatorte“ der Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes waren, größere und kleinere Gedenkstätten. Neben den „Tatorten“ rücken weitere Orte wie ehemalige Wohnhäuser oder Arbeitsstellen das Gedenken an die Opfer der Verfolgung in den Mittelpunkt. Auch zahlreiche Denkmäler, öffentliche Plätze und künstlerische Interventionen halten die Erinnerung wach. Schließlich mahnen die baulichen Überreste von Krieg und Verfolgung, die Schrecken der Vergangenheit nicht zu vergessen.
Der Fotograf Dieter Blase hat in den vergangenen Jahren zahlreiche dieser Orte in Nordrhein-Westfalen und angrenzenden Ländern besucht und fotografisch festgehalten. „Die künstlerische Fotografie ist ein besonders gut geeignetes Medium, um die heutige Realität der Erinnerungsorte zu reflektieren“, erläuterte Blase. Unter dem Motto „Erinnern, um zu mahnen“ entstanden so unterschiedliche Motive wie zum Beispiel Details des Wohnhauses der jüdischen Familie Humberg aus Hamminkeln-Dingden (Kreis Wesel), die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung wurde, die Front eines zu einer modernen Wohnung umgebauten ehemaligen Munitionsbunkers in Twisteden (Kreis Kleve) oder die Europafahne auf dem Gelände des heutigen Internationalen Platzes Vogelsang IP im Kreis Euskirchen, einem Bauensemble aus der Zeit des Nationalsozialismus, das als so genannte „Ordensburg“ der Schulung des Nachwuchses der NSDAP diente. Die im Stil der Neuen Sachlichkeit gehaltenen Bilder interessieren sich für Details und Strukturen und werfen einen nüchternen Blick auf die Gegenwart der Erinnerungsorte. Gerade dadurch schaffen sie einen Kontrast zu dem oft schrecklichen historischen Geschehen. Die Betrachtenden sind eingeladen, diesem Blick zu folgen und den eigenen Umgang mit der Vergangenheit kritisch zu hinterfragen. Auch der Künstler ist den Erinnerungsorten nicht neutral gegenübergetreten. Seine persönlichen Reflexionen, Gedanken, subjektiven Einordnungen und Assoziationen hat er als begleitende Texte für die Ausstellung festgehalten. Diese Texte verdeutlichen die besondere Perspektive und den Blick des Fotografen.
„Die Erinnerungs- und Gedenkkultur steht heute vor neuen Herausforderungen: Das Verschwinden der Zeitzeugen und die mediale Aufbereitung der Vergangenheit beeinflussen zunehmend die Erinnerung. Die Arbeiten von Dieter Blase, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe in dieser Wanderausstellung präsentiert, liefern Anknüpfungspunkte, um über den Inhalt und die Wirkung fotografischer Dokumentation zu reflektieren“, so Heike Kropff, Leiterin des LWL-Museumsamtes.
Hintergrund
Dieter Blase (1953-2023) studierte von 1976 bis 1980 Grafik- und Fotodesign bei Heinrich Riebesehl in Hannover. Seit 1998 arbeitete er als freier Künstler und war an zahlreichen Ausstellungsprojekten im In- und Ausland beteiligt.
Ausstellungsstationen
Stadtmuseum Brakel
21.01.2024 – 17.03.2024
Museum Haus Martfeld, Schwelm
20.03.2024 – 19.05.2024
Tisa von der Schulenburg-Stiftung & Tisa-Archiv, Dorsten-Hervest
27.07.2024 – 22.09.2024
Felsenmeer Museum, Hemer
25.09.2024 – 24.11.2024
Heimatmuseum der Stadt Ahlen
05.02.2025 – 13.04.2025
Haus der Stadtgeschichte, Kamen
16.04.2025 – 15.06.2025
Werburg-Museum Spenge
11.07.2025 – 24.08.2025
Täglich Bilder für's Revier
Eine Wanderausstellung des LWL-Medienzentrums für Westfalen, des LWL-Industriemuseums Schiffshebewerk Henrichenburg, der Kommission Alltagskulturforschung für Westfalen und des LWL-Museumsamtes für Westfalen
Das Ruhrgebiet und seine Menschen stehen im Mittelpunkt der Fotos von Helmut Orwat, die er während seiner langjährigen Tätigkeit als Pressefotograf und Fotojournalist gemacht hat. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) zeigt eine Auswahl von etwa 40 Aufnahmen seines umfassenden fotografischen Werkes in der Wanderausstellung „Täglich Bilder fürs Revier. Pressefotografien von Helmut Orwat 1960-1992“. Die Ausstellung ist ab dem 18. Mai 2024 im Eisenbahnmuseum Bochum zu sehen und wandert danach durch vier weitere westfälische Museen.
Orwat wurde 1938 als Sohn eines Bergmanns in Castrop-Rauxel geboren. Ab 1960 arbeitete er zunächst als freier Pressefotograf und ab 1984 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2000 als festangestellter Fotograf für die „Ruhr Nachrichten“. Besonders im Lokalteil der „Ruhr Nachrichten“ für Castrop-Rauxel wurden täglich mehrere seiner Fotos veröffentlicht. Darüber hinaus übernahm er auch Aufträge für überregionale Zeitungen, das Westfälische Landestheater und für das Kulturmagazin „Westfalenspiegel“.
Orwats Aufnahmen zeigen typische Facetten des Lebens und Arbeitens im Ruhrgebiet in den Zeiten des Strukturwandels. Die Menschen „von nebenan“ stehen im Fokus und werden in ihrem Alltag abgebildet: Erwachsene bei der Arbeit in der Industrie, im Handel und im Handwerk, Familien in ihrer Freizeit am Kanal oder auf dem Campingplatz und immer wieder Kinder bei allen möglichen Spielen auf den Straßen. Dabei hat der Fotograf in seinen Bildern auch die Veränderungen der Städte und Lebenswelt im Revier dokumentiert. Diese Veränderung haben sich nicht allein durch den Strukturwandel, sondern auch durch den Zeitgeist ergeben, was sich in der Architektur, in der Kleidung und in der Verkehrsinfrastruktur spiegelt. „Orwats Fotografien zählen zum fotografischen Kulturerbe der Region Ruhr. Wir freuen uns sehr, das Werk mit unserer Wanderausstellung nicht nur Menschen im Ruhrgebiet, sondern in weiten Teilen Westfalens näherzubringen“, sagt Heike Kropff, Leiterin des LWL-Museumsamtes für Westfalen, das die Wanderausstellung organisiert.
Fotografiert hat Orwat stets in Schwarz-Weiß, denn das war in jenen Jahren der Druckstandard bei den Zeitungen und Zeitschriften. Zugleich entsprach die Schwarz-Weiß-Fotografie auch seinem fotografischen Selbstverständnis. „Orwats visuell-ästhetische Prägung orientierte sich an Vorbildern wie Chargesgeimer und Pan Walther. Dementsprechend entwickelte er eine Vorliebe für kräftige, kontrastreiche Abzüge, die das gestalterische Potenzial der Schwarz-Weiß-Fotografie ausschöpften“, so Stephan Sagurna vom LWL-Medienzentrum, der die Ausstellung mitkuratiert hat.
Die Ausstellung ist in vier Kapitel gegliedert und geht auch auf die pressefotografischen Rahmenbedingungen der Zeit ein. Zur Ausstellung ist ein gleichnamiger Bildband mit 150 Aufnahmen im Tecklenborg Verlag erschienen.
Hintergrund
Das LWL-Medienzentrum übernahm 2017 das fotografische Lebenswerk von Helmut Orwat in seine Sammlung. Über 3.500 Fotos sind digitalisiert und können in der Bilddatenbank des LWL-Medienzentrums online recherchiert werden (www.orwat-fotosammlung.lwl.org). Darüber hinaus befinden sich etwa 1.000 Aufnahmen Orwats im Bildarchiv der Kommission Alltagskulturforschung für Westfalen des LWL. Auf dieser Basis entstand die Sonderausstellung mit dem Titel „Täglich Bilder fürs Revier. Pressefotografien von Helmut Orwat 1960-1992“, die der LWL seit 2023 und noch bis Juli 2024 mit großem Erfolg im LWL-Museum Schiffshebewerk Henrichenburg präsentiert. Der zugehörige Bildband erschien 2024 in zweiter Auflage. Die vom LWL-Museumsamt organisierte Wanderausstellung basiert auf der Sonderausstellung und dem Bildband.
Ausstellungsstationen
Eisenbahnmuseum Bochum
17.05.2024 – 07.07.2024
Emschertal-Museum der Stadt Herne
14.07.2024 – 08.09.2024
Stadtmuseum Hattingen
17.11.2024 – 24.01.2025
Bauernhausmuseum Bielefeld
02.02.2025 – 06.04.2025
Museum Haus Kupferhammer, Warstein
13.04.2025 – 11.05.2025
Werburg-Museum Spenge
16.05.2025 – 06.07.2025
Das Atomzeitalter in Westfalen
Eine Wanderausstellung des LWL-Museumsamtes für Westfalen
Am 15. April 2023 endete eine Ära: Deutschland stieg nach langem Hin und Her aus der Stromproduktion durch Kernenergie aus. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) zeigt aus diesem Anlass die Wanderausstellung „Das Atomzeitalter in Westfalen. Von der Zukunft zur Geschichte“. Sie bietet eine historische Rückschau auf die Geschichte der Atomkraft mit Fokus auf Westfalen-Lippe wie auch einen Blick auf aktuelle Debatten und die Zukunft. Die Ausstellung ist ab dem 18. Juni 2023 im Museum im „Stern“ in Warburg zu sehen und wandert danach durch sieben weitere westfälische Museen.
Das Thema Kernenergie beschäftigt die Bundesrepublik Deutschland fast seit ihrem Bestehen. Gesellschaft, Politik, Unternehmen und Forschung ringen seitdem um Wahrheit und Zukunftsgestaltung. Die Ausstellung geht dem Thema in drei Kapiteln nach. „Akteur:innen stehen im Mittelpunkt des ersten Ausstellungsbereiches“, so Kuratorin Sarah Pfeiffer vom LWL-Museumsamt für Westfalen. „Hier kommen Menschen zu Wort, deren Leben durch ihre Arbeit und ihr Engagement mit der Geschichte der Kernkraft verbunden ist. Sie berichten aus ihrer Perspektive und bewerten ihre eigene Rolle darin.“ Rund die Hälfte der Leihgaben wurde von den Akteur:innen selbst zur Verfügung gestellt. Die Exponate stammen von Initiativen und Einzelpersonen der Anti-AKW-Bewegung, aus der Nuklearbranche, aus Politik und Verwaltung. Alle beschäftigen sich thematisch auf unterschiedliche Weise mit Kernenergie. Präsentiert werden etwa Kleidungsstücke wie Unterwäsche für den Kontrollbereich von der Hochtemperatur-Kraftwerk GmbH, der feuerrote Lautsprecherwagen, der die Initiative „Kein Atommüll in Ahaus e.V.“ lange Zeit auf Demonstrationen begleitete, die Atomkraftwerk-Dampfmaschine R200 der Lüdenscheider Firma Wilesco und ein Bergebehälter für kontaminiertes Material der Feuerwehr Münster. Mit Loriots „Weihnachten bei Hoppenstedts“ ist auch ein Klassiker aus dem westdeutschen Fernsehen zu sehen, der die Atomkraft thematisiert.
Dem Rückblick auf die Vergangenheit widmet sich der zweite Teil der Ausstellung, mit den vier westfälischen Atomstandorten Würgassen (Kreis Höxter), Hamm, Gronau und Ahaus (beide Kreis Borken) im Zentrum. Der Brennstoff steht dabei immer im Mittelpunkt, denn er ist sowohl Grundlage der Stromerzeugung als auch Ursache des gesellschaftlichen Konflikts um die Kernenergie. Anhand der vier Atomstandorte in Westfalen geht die Ausstellung der Frage nach, wie er hergestellt wird und was während der Stromproduktion und danach mit ihm passiert: In der Urananreicherungsanlage der „Urenco“ in Gronau wird das Brennmaterial bearbeitet, im Atomkraftwerk Würgassen und in Hamm-Uentrop kam es in unterschiedlicher Form zum Einsatz. Im Brennelemente-Zwischenlager in Ahaus wird der abgebrannte Brennstoff untergebracht, bis voraussichtlich zwischen 2046 und 2068 ein Standort für das Endlager bestimmt und dieses anschließend eingerichtet worden ist.
„Klimawandel, der Beschuss des ukrainischen Kernkraftwerkes Saporischschja durch das russische Militär, Energieknappheit und Laufzeitverlängerung – lange wurde das Thema Atomkraft nicht mehr so kontrovers diskutiert wie in den letzten anderthalb Jahren“, sagt Dr. Ulrike Gilhaus, Leiterin des LWL-Museumsamtes Westfalen. Im dritten Teil der Ausstellung wird diesen aktuellen Debatten nachgegangen. Welche Auswirkungen hatten sie auf die Menschen und ihre Haltung? Hierzu können sich Besuchende in der Ausstellung äußern. Außerdem geht es um die Frage, was von der Geschichte der Kernenergie in Deutschland übrigbleibt. Innerhalb der interaktiven Station „Wissen bewahren zu Westfalen“ können Besucher:innen ortsbezogen Wissen hinterlassen und so gemeinsam Geschichte schreiben.
Ein Katalog mit 144 Seiten, zahlreichen Abbildungen und weiterführenden Textbeiträgen vertieft und erweitert die Themenbereiche und zeigt ausgewählte Ausstellungsobjekte. Er ist im Buchhandel und an den Ausstellungsstationen für 19 Euro erhältlich. Darüber hinaus gibt es ein museumspädagogisches Begleitprogramm mit Führungen. An jedem Standort wird auch eine Führung für blinde und sehbehinderte Besucher:innen angeboten.
Ausstellungsstationen
Museum im Stern, Warburg
18.06.2023 – 13.08.2023
Haus Kupferhammer, Warstein
20.08.2023 – 15.10.2023
Bauernhausmuseum, Bielefeld
22.10.2023 – 07.01.2024
Mindener Museum
14.01.2024 – 10.03.2024
Stadtmuseum Lippstadt (Galerie im Rathaus)
17.03.2024 – 12.05.2024
Stadtmuseum Brakel
19.05.2024 – 14.07.2024
Wendener Hütte, Wenden
21.07.2024 – 15.09.2024
Museum Bünde
22.9.2024 – 17.11.2024
Feldbahngeschichten. Technik und Einsatz eines universellen Verkehrsmittels
Eine Wanderausstellung des LWL-Museumsamtes für Westfalen in Kooperation mit der Historischen Kommission für Westfalen und dem LWL-Industriemuseum Ziegelei Lage
Die Feldbahn war zwischen 1900 und 1950 das, was heute der Lastwagen ist – flexibel, weil ihre Gleise schnell verlegbar sind und überall im Einsatz. Der LWL hat der kleinen Schwester der Eisenbahn eine Wanderausstellung gewidmet, die durch acht Museen in Westfalen und im Emsland wandert.
Zum Teil über 100 Jahre alte historische Fotos zeigen in der Wanderausstellung die vielfältigen Einsatzgebiete des Transportmittels in Industrie und Landwirtschaft. Alle gezeigten Bahnen befanden sich in Westfalen und Lippe. Feldbahnforscher Rüdiger Uffmann und Dr. Burkhard Beyer, Geschäftsführer der Historischen Kommission für Westfalen beim LWL, haben 2019 für das LWL-Ziegeleimusuem Lage (Kreis Lippe) eine Sonderausstellung zur Feldbahngeschichte zusammengetragen. Auf Wanderschaft gehen nun die Tafeln dieser Ausstellung mit mehr als 40 Beispielen für die Verwendung von Feldbahnen. Dabei reichten die verschiedenen Einsatzbereiche der Feldbahnen vom Bergbau über die Stahlindustrie, Ziegeleien und Trümmerbahnen bis hin zur Hausrollbahn, die zur Überwindung kurzer ebener Strecken in Hinterhöfen diente.
Die Ausstellung zeigt nicht nur ausdrucksstarke Bilder, sondern erzählt auch die damit verbundenen Geschichten, also Feldbahngeschichten. Wie wurde aus der Schiefergrube ein Tauchparadies, in dem es unter Wasser alte Loren zu entdecken gibt? Was hatte es mit dem Paderborner Bauern auf sich, der als Besitzer von fünf Pferden zu stolz war, eine Lokomotive anzuschaffen? Wofür waren die „Platzloks“ der Ruhrkohle AG zuständig? Eine Modellinstallation, die Feldbahnszenen zeigt, ergänzt die Ausstellungstafeln. Originalfahrzeuge konnten aus Platz- und Gewichtsgründen nicht mit auf die Reise gehen.
Hintergrund
Der Name "Feldbahn" geht auf eine Erfindung des französischen Gutsbesitzers Paul-Armand Decauville zurück, der 1875 für die Ernte ein einfaches, wetterunabhängiges Transportsystem suchte. Er entwickelte ein transportables, leicht verlegbares Schienen- und Fahrzeugsystem, das zuerst auf seinen Feldern zum Einsatz kam. "Ihre Flexibilität und Anpassungsfähigkeit machte die Feldbahn schon bald weltweit zu einem wichtigen Transportmittel", erklärt Rüdiger Uffmann aus Bielefeld.
Bald wurden die schnell verlegbaren Gleise und Kipploren auf Baustellen, in Wäldern, beim Torfabbau und in Ziegeleien eingesetzt. Die meisten Wagen wurden geschoben, manchmal bewegten Pferde und Ochsen sie. Größere Betriebe beschafften auch Dampfloks, später Dieselloks.
Im Bergbau an der Ruhr gab es im 18. Jahrhundert Wagen mit Holzschienen für den Kohlentransport, unter und über Tage. Schon 1790 begann man, Eisenstücke auf die Holzschienen zu nageln, aus der Schiebebahn wurde eine Eisenbahn. Zunächst bewegten Pferde und Ochsen die Wagen. Die ersten Feldbahnlokomotiven wurden wie ihre großen Schwestern mit Dampf betrieben, wenig später bereits mit Elektrizität. Doch der Dieselmotor setzte sich durch. Die Hersteller von Feldbahnloks - Henschel, Jung, Deutz, Schöma, Diema und viele andere - bauten Gleise, Loks und Loren für Feldbahnen und Grubenbahnen. Die Feldbahnen fuhren auf allen großen Baustellen, halfen beim Bau von Schifffahrtskanälen und den ersten Autobahnen.
„Wie nicht anders zu erwarten, entdeckte auch das Militär die neue Technik. Im Ersten Weltkrieg trugen Feldbahnen hinter der Front entscheidend zur Nachschubversorgung bei“, so Beyer. „Im Zweiten Weltkrieg war der Feldbahn eine ähnliche Rolle zugedacht, aber das vorbereitete Material kam kaum zum Einsatz.“ Trümmerbahnen transportierten die Schuttberge nach 1945 aus den Städten. Torfbahnen ermöglichten den industriellen Abbau der trockengelegten Moore. Seit den 1960er Jahren ersetzten Gabelstapler, Förderbänder und Lastwagen das traditionelle Transportmittel. Nur im Torfabbau in Niedersachsen werden sie noch in nennenswertem Umfang eingesetzt. In Westfalen sind Feldbahnen einer breiteren Öffentlichkeit nur noch anhand der Museumsfeldbahnen wie etwa in Gütersloh (Dampfkleinbahn Mühlenstroth) in Lage/Kreis Lippe (LWL-Ziegeleimuseum) oder in Lengerich/Kreis Steinfurt (Westfälisches Feldbahnmuseum) bekannt. „Es lohnt sich also, an die einstige Bedeutung der Feldbahnen und an die ganze Vielfalt seiner Einsatzmöglichkeiten zu erinnern“, so Beyer.
Ausstellungsstationen
Mindener Museum
20.03.2021 - 24.05.2021
Stadtmuseum Iserlohn
30.05.2021 - 25.07.2021
Bauernhausmuseum Bielefeld
01.08.2021 - 26.09.2021
Museum Wilnsdorf
03.10.2021 - 28.11.2021
Westfälisches Schieferbergbau-Heimatmuseum, Schmallenberg-Holthausen
06.02.2022 - 03.04.2022
Eisenbahnmuseum Bochum
10.04.2022 - 05.06.2022
Emsland Moormuseum, Geeste-Groß Hesepe
12.06.2022 - 31.10.2022
Mindener Museum
05.11.2022 - 22.01.2023
Tisa von der Schulenburg-Stiftung & Tisa-Archiv, Dorsten-Hervest
08.02.2023 - 02.04.2023
DampfLandLeute, Eslohe
05.04.2023 - 04.06.2023
Heimatmuseum Netpherland, Netphen
07.06.2023 - 06.08.2023
Landmaschinen-Museum Riesenbeck
09.08.2023 - 08.10.2023
Felsenmeer-Museum Hemer
11.10.2023 - 03.12.2023
Westfälisches Feldbahnmuseum Lengerich
19.05.2024 - 13.10.2024
Abschied nehmen. Sterben, Tod und Trauer
Eine Wanderausstellung des LWL-Museumsamtes für Westfalen
Nichts ist so sicher wie der Tod. Insofern betrifft das Thema „Abschied nehmen – Sterben, Tod und Trauer“ alle von uns einmal ganz persönlich. Eine Wanderausstellung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) mit diesem Titel blickt auf historische und aktuelle Aspekte des Umgangs mit dem Lebensende.
„Schon der Ausstellungstitel löst viele persönliche Assoziationen aus. Wir denken an persönliche Verluste, lange Trauerphasen oder an liebe Menschen, deren Sterben bevorsteht“, so Ausstellungskuratorin Verena Burhenne vom LWL-Museumsamt für Westfalen. „Viele Menschen reagieren mit Abwehr auf das Thema. Tod und Sterben gehören aber zum Leben dazu und sind Teil unserer Kultur. Vielfältige Rituale können uns in solchen schweren Phasen Halt und Trost geben.“ Doch die Sterbekultur mit Totenglocke und Sterberitualen wie vor 200 Jahren gebe es schon lange nicht mehr, so Burhenne weiter.
Die Ausstellung widmet sich den Fragen: Wie gingen die Menschen früher mit dem Sterben um? Welchen Stellenwert hat es heute in einer säkularisierten und weltanschaulich differenzierten Gesellschaft? In acht Kapitel behandelt die Schau unterschiedliche Aspekte der Trauerkultur wie die Jenseitsvorstellungen, die Vorsorge und die Verfügungen für den Todesfall. Darüber hinaus beschäftigt sich die Ausstellung mit der Totenfürsorge, der Hospizbewegung und der Sterbehilfe. Gezeigt werden Versehgarnituren und Salbgefäße, die bei der Krankenölung durch den Priester eingesetzt werden. Beim letzten Abschiednehmen geht es unter anderem um den Beerdigungskaffee und die Trauerkleidung. Totenzettel und Kondolenzpost aus unterschiedlichen Jahrhunderten dokumentieren die Tradition des Abschiednehmens. Zwei Kapitel beschreiben den Wandel der Friedhöfe vom Gottesacker zur Parkanlage sowie zu den alternativen Bestattungsformen beispielsweise in den Friedwäldern. Stellvertretend für den Wandel stehen ein gusseisernes Grabkreuz aus der Zeit um 1900 sowie gestaltete Urnen aus abbaubaren Materialien.
Ein weiteres Kapitel beschäftigt sich mit der Erinnerung an die Toten anhand von Gedenktagen, Post-mortem-Fotografien und dem Gedenken an gefallenen Soldaten. Zu sehen sind Haarbilder, die als sogenannte Zimmerdenkmale ein wichtiges Zeugnis des Gedenkens an liebe verstorbene Angehörige waren. Dabei wurden aus den Haaren der Verstorbenen oft Blumenmotive geformt. Im letzten Kapitel geht es sowohl um die Bestattungsinstitute als auch um andere Berufe, die rund um den Tod angesiedelt sind. Isabelle Christiani vom LWL-Museumsamt führte ein Interview mit einer Sterbeamme aus Arnsberg, das in einer Videostation zu sehen ist.
Ein Katalog, der für 14 Euro erhältlich ist, vertieft und erweitert die Themenbereiche und beschreibt die Ausstellungsobjekte. Darüber hinaus hat die LWL-Museumspädagogin Sophie Reinlaßöder ein Begleitprogramm für Erwachsene und Schulklassen sowie für Menschen mit Lernschwierigkeiten entwickelt.
Ausstellungsstationen
Museen der Stadt Lüdenscheid
18.09.2022 - 13.11.2022
Kult – Kultur und lebendige Tradition, Vreden
20.11.2022 - 29.01.2023
Bauernhausmuseum Bielefeld
05.02.2023 - 26.03.2023
Werburg-Museum, Spenge
02.04.2023 - 21.05.2023
Religio – Westfälisches Museum für religiöse Kultur, Telgte
28.05.2023 - 23.07.2023
Mindener Museum
29.07.2023 - 24.09.2023
Stadtmuseum Lippstadt / Galerie im Rathaus
01.10.2023 - 26.11.2023
Museum Hexenbürgermeisterhaus, Lemgo
14.12.2023 - 28.01.2024
Erzähl mir was vom Pferd!
Eine Fotoausstellung des LWL-Medienzentrums für Westfalen und des LWL-Freilichtmuseums Detmold in Zusammenarbeit mit dem LWL-Museumsamt für Westfalen
„Das Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde“, sagt ein Sprichwort im Volksmund und knüpft an die weitreichende Bedeutung der Tiere an. Über Jahrtausende ist die Geschichte der Menschheit mit der des Pferdes verbunden. Ob im Reitsport, auf dem Hof oder im Museum: Aus der westfälischen Landschaft ist das Pferd kaum wegzudenken. Seine Bedeutung als Arbeitstier hat es zwar weitestgehend verloren, dafür schlüpfen die edlen Tiere in andere Rollen: als engste Vertraute des Menschen, als Freizeitbegleiter oder Sportpartner, als Therapie- oder Polizeipferde.
Die Ausstellung „Erzähl mir was vom Pferd“ widmet sich dem facettenreichen Miteinander von Mensch und Pferd in Westfalen. In einer eindrucksvollen Fotodokumentation der Fotografin Tuula Kainulainen wird das Pferd und wie es die Menschen in Westfalen bewegt in den Blick genommen. Dabei steht die Vielseitigkeit der Berufe und Berufungen rund um das Tier im Vordergrund.
In mehreren Serien mit jeweils einem hervorgehobenen Hauptbild werden Geschichten erzählt, die den Beruf und besonders die Beziehung der Porträtierten zum Pferd näher beleuchten. Als Anspruch an die Fotografie stand ein einfühlsamer Blick auf das Tun und Wirken, die Nähe der dargestellten Personen, ihre Arbeitsmittel und die Tiere. Oft sind es die leisen Momente der Verbundenheit, die den Betrachtenden einen emotionalen Zugang zu der Vielfalt des „Pferdelandes Westfalen“ ermöglicht.
Eine Besonderheit stellt der Sublimationsdruck auf Chromaluxe dar, bei dem die Tinte auf Aluminium gedampft wird. Dieses Verfahren verleiht den Bildern farbliche Brillanz, besondere Langlebigkeit und Robustheit. Sie werden rahmenlos gehängt. Jede Serie wird durch einen kurzen Text eingeleitet.
Der LWL hat es sich zur Aufgabe gemacht, seine Angebote für alle Menschen zugänglich zu machen. Auch diese Ausstellung hat inklusive Elemente. Das Hauptbild jeder Serie wird auch als Tastbild zur Verfügung gestellt. Leichte Sprache ergänzt das barrierefreie Angebot.
Ausstellungsstationen
Naturkundemuseum Paderborn
15.10.2021 – 05.12.2021
Medizin- und Apothekenmuseum Rhede
12.12.2021 – 13.02.2022
DampfLandLeute, Museum Eslohe
13.04.2022 – 22.05.2022
Bauernhausmuseum Bielefeld
25.05.2022 – 26.06.2022
Volkshochschule im Dorfschultenhof, Datteln
10.08.2022 – 25.09.2022
Museum Haus Kupferhammer, Warstein
28.09.2022 – 28.11.2022
Stadtmuseum Brakel
12.02.2023 – 26.03.2023
Werburg-Museum, Spenge
02.07.2023 - 20.08.2023
Rathaus Warendorf
03.09.2023 – 05.11.2023
Do it yourself! Die neue Lust aufs Selbermachen
Eine Wanderausstellung des LWL-Museumsamtes für Westfalen
Sauerkraut und Bohnen für den Winter einkochen, Kleidung nähen und flicken oder Spielzeug für die Kinder bauen: Anfang des 20. Jahrhunderts gehörte das Selbermachen fest zum Alltag vieler Menschen dazu. Heute kann man fast alles verhältnismäßig schnell und günstig kaufen. Trotzdem entscheiden sich Menschen nach wie vor für das Selbermachen. Doch warum machen sie heute Dinge selber, obwohl sie es nicht müssten? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Wanderausstellung „Do it yourself! Die neue Lust aufs Selbermachen“ des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).
Seit einigen Jahren ist „Do it yourself“ oder kurz DIY, wie das Selbermachen auch genannt wird, wieder voll im Trend: Menschen stricken in der Bahn, ziehen in Gemeinschaftsgärten Gemüse oder reparieren in sogenannten Repair-Cafés Fahrräder und Radios. Die Ausstellung zeigt, wie sich Motivationen zum Selbermachen seit den 1950er Jahren verändert haben. Sie zeigt Grenzen und Übergänge zwischen historischen und aktuellen Formen des Selbermachens und wirft dabei auch einen kritischen Blick auf den DIY-Boom.
Die Ausstellung betrachtet die Praktiken des Selbermachens in den Spannungsfeldern „Mangel & Überfluss“, „Hobby & Arbeit“ und „Alltag & Gegenkulturen“. Dabei liegt der Fokus auf den Akteur:innen und auf zeittypischen Formen des Selbermachens: Wer machte zu einem bestimmten Zeitpunkt was selbst – und warum? „Bis heute spielen unterschiedliche Faktoren wie Zeit, Geld und gesellschaftliche Erwartungen eine zentrale Rolle bei der Entscheidung für oder gegen das Selbermachen“, so Sarah Lieneke, die Kuratorin der Ausstellung.
„Die Ausstellung erzählt vom Selbermachen in der von Mangel geprägten Nachkriegszeit, in der es als Versorgungsstrategie oft wieder aufgegriffen wurde. Sie zeigt, wie das Heimwerken oder ‚Do it yourself‘ in der aufstrebenden Wohlstandsgesellschaft der 1950er Jahre zum neuen Freizeittrend des Kleinbürgertums avancierte und wie das DIY-Prinzip vom alternativen Milieu der 1970er gekapert wurde, um antikapitalistische Überzeugungen umzusetzen und sich kreativ selbst zu verwirklichen. Nicht zuletzt wirft die Ausstellung auch einen kritischen Blick auf das DIY-Fieber und veranschaulicht, wie der Trend zum DIY heute zunehmend kommerzialisiert wird“, so Lieneke weiter.
Besucher:innen können in der Ausstellung ein Quiz spielen, um herauszufinden, welcher DIY-Typ sie sind, sie können ihre Fingerfertigkeiten beim Falten von Origami ausprobieren und in Interviews die persönlichen Perspektiven von Selbermacher:innen aus Westfalen kennenlernen. Viele der insgesamt 83 Ausstellungsstücke haben Menschen aus Westfalen dem LWL-Museumsamt nach einen Presseaufruf für die Ausstellung zur Verfügung gestellt. Vom selbstgemachten Teddy bis zu Alltagshilfen aus dem 3D-Drucker für Menschen mit Behinderung zeigen die Exponate die Vielfalt an Materialien, Praktiken und Motivationen für das Selbermachen. Die Ausstellungsobjekte laden Besucher:innen dazu ein, sich aktiv mit den unterschiedlichen Motivationen zum Selbermachen auseinanderzusetzen.
Einige Ausstellungsstücke wie der Schulwebrahmen aus dem Handarbeitsunterricht oder der gestrickte Norwegerpulli aus dem Hörsaal der 1980er Jahre wecken Erinnerungen an eigene Erlebnisse. „Die Ausstellung zeigt nicht nur die kulturgeschichtliche Entwicklung des Selbermachens, sondern nimmt Bezug auf die Biografien von Menschen in Westfalen. Welche Verbindungen haben sie zum Selbermachen? Welche Rolle spielt es in ihrem Alltag und in ihrem Selbstbild“, so Lieneke. „Erst diese persönlichen Geschichten machen die Exponate der Ausstellung so interessant. Geschichten vom Selbermachen erzählen von Alltag, Freizeit und Wertevorstellungen unterschiedlicher Generationen und sind deshalb auch gut geeignet, um mit den eigenen Kindern, Eltern und Großeltern ins Gespräch zu kommen“, so die Ausstellungmacherin weiter.
Ein Katalog mit 136 Seiten, zahlreichen Abbildungen und weiterführenden Textbeiträgen vertieft und erweitert die Themenbereiche und zeigt ausgewählte Ausstellungsobjekte. Er ist im Buchhandel und an den Ausstellungsstationen für 11,90 Euro erhältlich. Darüber hinaus hat die Geschichtsmanufaktur Dortmund ein museumspädagogisches Begleitprogramm entwickelt. An jedem Standort wird es zudem eine Führung in Gebärdensprache geben.
Ausstellungsstationen
Kult – Kultur und lebendige Tradition, Vreden
27.06.2021 – 22.08.2021
Naturkundemuseum Bielefeld
29.08.2021 – 24.10.2021
Museen der Stadt Lüdenscheid
31.10.2021 – 09.01.2022
Museum Hexenbürgermeisterhaus Lemgo
16.01.2022 – 13.03.2022
Stadtmuseum Werne
20.03.2022 – 15.05.2022
Stadtmuseum Lippstadt (Rathausgalerie)
22.05.2022 – 17.07.2022
Emschertal-Museum, Herne
24.07.2022 – 18.09.2022
Junges Museum im Osthaus Museum, Hagen
25.09.2022 – 20.11.2022
Demos, Discos, Denkanstöße – Die 70er in Westfalen
Eine Wanderausstellung des rock’n’popmuseums Gronau und des LWL-Museumsamtes für Westfalen
Unter dem Titel „Demos, Discos, Denkanstöße – Die 70er in Westfalen“ erarbeitete das rock’n’popmuseum Gronau in Kooperation mit dem LWL-Museumsamt für Westfalen die gemeinsame Wanderausstellung. Im Zentrum der Präsentation stehen Fotografien aus der Sammlung Christoph Preker.
Umwelt- und Friedensbewegung machten durch Großdemonstrationen in diesem national bewegenden Jahrzehnt von sich reden. Alternative Zeitungen und Magazine boomten. Die Überwindung verkrusteter Strukturen fand nicht nur in Metropolen statt. Kinderläden, Jugendzentren, die Gleichberechtigung unterschiedlicher Lebensstile und anderes mehr sind heute ein unauffälliger Bestandteil unseres Lebensalltags, mussten damals allerdings noch Schritt für Schritt der Mehrheitsgesellschaft abgerungen werden. Die Demokratisierung der Gesellschaft nahm in den 1970er Jahren ihren Lauf. Willy Brandt hatte in seiner ersten Regierungserklärung angekündigt: „Wir wollen mehr Demokratie wagen.“
Die bundesdeutsche Gesellschaft und auch Westfalen-Lippe ist politisiert wie nie zuvor und befindet sich im Umbruch. Die Zahl der ausländischen Arbeitskräfte verzwanzigfachte sich, Deutschland ist de facto ein Einwanderungsland geworden. PKW, elektrische Haushaltsgeräte sowie Kommunikations- und Unterhaltungselektronik nehmen flächendeckend zu. Die Innenstädte werden immer mehr zu modernen Verwaltungsstandorten; bezahlbarer Wohnraum wird rar; es kommt zu Hausbesetzungen und Bürgerinitiativen. Ebenso sind die 1970er Jahre für Ihre schrille Mode bekannt - Schlaghosen, Plateausohlen, Batik und Blümchen-T-Shirts. Die Jugend verbrachte ihre Abende und Nächte im eigenen Partykeller oder im Saturday-Night-Fever in den Discotheken.
Christoph Preker (1945-1996) war ein leidenschaftlicher Fotograf aus Münster, der bis zum Schluss unbeeindruckt von der bunten Bilderwelt der Hochglanzmagazine am Schwarz-Weiß-Film festhielt. Viele Jahre galt er als Münsters bekanntester Theaterfotograf, fotografierte bei Proben und Premieren. Zwischen 1970 und 1996 dokumentierte er mit seiner Kamera nicht nur das akademische Leben in Münster zwischen Demos, Hausbesetzungen oder Rektorwahl, sondern sein Interesse galt daneben auch der Musik und dem Alltagsleben, nicht nur in Münster.
Die Ausstellung umfasst die Themen Politik und Bildung, Geschlechterverhältnisse, Proteste, Kindheit und Jugend, Mode und Design, Alltag, Mobilität und Wohnen, Kunst und Kultur sowie die internationale und regionale Musik der Zeit. Handabzüge in Schwarz-Weiß auf Aludibond-Platten illustrieren dieses turbulente Jahrzehnt sehr anschaulich.
Zur Ausstellung ist ein Katalog mit vielen Schwarz-Weiß-Aufnahmen erschienen, der beim rock’n’popmuseum in Gronau sowie im Buchhandel erhältlich ist.
Ausstellungsstationen
Heimatmuseum der Stadt Löhne
06.10.2020 - 14.12.2020
Heimatmuseum der Stadt Ahlen
30.03.2021 - 04.07.2021
Heimatmuseum Netpherland, Netphen
03.08.2021 - 04.10.2021
Verein für Orts- und Heimatkunde, Bottrop-Kirchhellen
05.10.2021 - 01.12.2021
Haus der Stadtgeschichte, Kamen
08.02.2022 - 07.03.2022
Gut Rödinghausen
10.03.2022 - 02.05.2022
Heimatmuseum Banfetal, Bad Laasphe
04.05.2022 - 03.07.2022
Geschichte der Dinge. Zur Herkunft der Objekte in nordrhein-westfälischen Sammlungen
Eine Wanderausstellung des LWL-Museumsamtes für Westfalen in Kooperation mit dem LVR-Fachbereich Regionale Kulturarbeit, LVR Museumsberatung
Der Fall Gurlitt, Bronzen aus dem ehemaligen Königreich Benin oder die Elgin Marbles von der Akropolis – diese Aufzählung macht die Spannbreite aktueller Provenienzforschung deutlich. Die Provenienzforschung, also das Erforschen der Herkunft und der Geschichte von Objekten, ist Thema der neuen Ausstellung „Geschichte der Dinge. Zur Herkunft von Objekten in nordrhein-westfälischen Sammlungen“ des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Die Schau ist ab dem 27. September 2020 im Kreismuseum Wewelsburg in Büren (Kreis Paderborn) zu sehen, anschließend wandert sie durch sieben weitere Museen in Nordrhein-Westfalen.
„Zwar treiben mittlerweile Museen und andere Einrichtungen, wie Bibliotheken und Archive, verstärkt die Erforschung von wichtigen Sammlungsstücken voran. Dennoch dringt erst langsam ins Bewusstsein, dass auch heute erworbene Kunstwerke, Wertobjekte oder Alltagsgegenstände Raubgut sein könnten“, sagt Ausstellungskuratorin Verena Burhenne vom LWL-Museumsamt für Westfalen. Dies gelte nicht nur für öffentliche Institutionen, sondern auch für Vereine und Privatpersonen.
Während bei Ausstellungen zum Thema Provenienzforschung meist nur ein Sammlungsbereich, ein Sammler oder ein Museum im Fokus steht, widmet sich die LWL-Ausstellung erstmals in Deutschland dem gesamten Themenbereich: Insgesamt zehn Kapitel beschäftigen sich mit den unterschiedlichen Entzugskontexten wie zum Beispiel NS-verfolgungsbedingtem Entzug, Kolonialismus oder DDR-Unrecht, mit verschiedenen Objektgruppen wie Judaika, aber auch mit Akteuren und Strukturen. Die zentrale Frage: Woher kommt das Objekt? Dabei kann die Ausstellung mit 50 Leihgaben nicht immer Antworten oder konkrete Lösungen präsentieren. Vielmehr laden die Ausstellungsobjekte dazu ein, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und selbst Überlegungen zu Moral und Recht anzustellen.
Anhand der Leihgaben aus Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus erzählt die Ausstellung Lebens- und Erwerbsgeschichten, die schwierige Kapitel der deutschen Geschichte berühren. Die Ausstellungsvorbereitung selbst ist ein Beispiel dafür, wie die aktive Auseinandersetzung damit Zeichen der Völkerverständigung und Versöhnung setzen kann: „Angestoßen durch eine Leihanfrage von uns konnte die Herkunft eines rituellen jüdischen Sedertellers im Hellweg-Museum in Unna recherchiert werden. Die kontaktierten rechtmäßigen Eigentümer bestimmten schnell, dass er als Dauerleihgabe im Museum verbleiben soll“, erzählt Ausstellungskuratorin Ute Christina Koch.
Andere Objekte stehen hingegen stellvertretend für problematische Provenienzen. So stammt aus dem Museum Wilnsdorf (Kreis Siegen Wittgenstein) der Gedenkkopf eines Oba, des politischen und rituellen Oberhauptes im Königreich Benin, mit einer unbedenklichen Herkunft. Dieser wurde vermutlich Mitte des 20. Jahrhunderts in Nigeria hergestellt. Zahlreiche weitere „Beninbronzen“ in europäischen Museen stammen jedoch aus einer „Strafexpedition“ der britischen Armee im Jahr 1897 und werden heute von der nigerianischen Regierung zurückgefordert.
„Mit dieser Ausstellung wollen wir die Besucherinnen und Besucher ermutigen, sich mit diesem Thema, ob im eigenen Lieblingsmuseum oder zu Hause, auseinanderzusetzen“, so Burhenne. „Gerade abseits der ‚großen Kunst‘ übersieht man schnell, dass auch hier ein verfolgungsbedingter Entzug möglich ist“, ergänzt Koch. „Uns war von Anfang an wichtig, möglichst die ganze Bandbreite darzustellen, also verschiedene Entzugskontexte oder auch Objektgruppen bis hin zu Alltagsgegenständen.“
Zur Ausstellung ist eine App entwickelt worden. Sie ermöglicht es, auch außerhalb der Museen, Näheres zu allen Themenbereichen und Kapiteln zu erfahren. Ein Katalog vertieft und erweitert die Themenbereiche und zeigt ausgewählte Ausstellungsobjekte. Darüber hinaus hat die Geschichtsmanufaktur Dortmund ein museumspädagogisches Begleitprogramm für Erwachsene und die Sekundarstufe II entwickelt.
Hintergrund
Mit der Unterzeichnung der „Washingtoner Erklärung“ im Jahr 1998 verpflichtete sich die Bundesrepublik Deutschland, die während der Zeit des Nationalsozialismus beschlagnahmten Kunstwerke der Raubkunst zu identifizieren, deren Vorkriegseigentümer oder Erben ausfindig zu machen und eine „gerechte und faire Lösung“ zu finden. Über 30 Jahre nach dieser Unterzeichnung wird deutlich, dass die Anstrengungen deutlich verstärkt werden müssen, um dieser Verpflichtung gerecht zu werden. In einem Projekt zur Provenienzforschung in NRW nahm die Museumsberatung des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) zusammen mit dem LWL-Museumsamt in den Jahren 2017 bis 2019 besonders die kleineren und mittelgroßen Museen in den Blick.
Von Beginn an war geplant, im Rahmen einer Wanderausstellung nicht nur die Ergebnisse dieses Projekts vorzustellen, sondern den Besuchern das Thema Provenienzforschung mit Objekten näherzubringen. Die Wanderausstellung haben Ute Christina Koch und Verena Burhenne vom LWL-Museumsamt für Westfalen geplant und organisiert. Die Inhalte des Medientisches zu den Bergungsorten in Nordrhein-Westfalen hat Annika Flamm von der LVR-Museumsberatung beigesteuert.
Museumspädagogische Begleitprogramme
Zur Ausstellung wurden von der Geschichtsmanufaktur zwei Angebote für Besuchergruppen erarbeitet:
In einer Führung werden exemplarisch Exponate unterschiedlicher Provenienzen besprochen, die ihre unterschiedlichen Wege in die Museen nachvollziehen und die Frage nach Rückgabe oder Verbleib in der Sammlung diskutiert. Die Führung ist für Jugendliche ab der 8. Klasse und Erwachsene geeignet.
Speziell für Schulklassen ab der 8. Klasse wurde ein Workshop erarbeitet, in dem die Schülerinnen und Schüler je nach Alter möglichst selbständig anhand von „Steckbriefen“ ausgewählte Exponate auf ihre Provenienz untersuchen. Der Workshop dauert 60-90 Minuten.
Gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW.
Ausstellungsstationen
Kreismuseum Wewelsburg, Büren
27.09.2020 – 06.12.2020
Jüdisches Museum Westfalen, Dorsten
13.12.2020 – 07.02.2021
Mindener Museum
13.02.2021 – 11.04.2021
Museum Wilhelm Morgner, Soest
18.04.2021 – 13.06.2021
Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig, Bonn
26.08.2021 – 17.10.2021
Deutsches Textilmuseum Krefeld
24.10.2021 – 02.01.2022
Stadtmuseum Düsseldorf
09.01.2022 – 06.03.2022
Vogelfänger, Venntüten und Plaggenstecher – Natur und Landschaft vor 100 Jahren. Bilder und Filme von Dr. Hermann Reichling (1890-1948)
Eine Wanderausstellung des LWL-Museums für Naturkunde, des LWL-Medienzentrums für Westfalen, des LWL-Museumsamtes für Westfalen sowie des Westfälischen Heimatbundes
Natur und Landschaft haben sich in den vergangenen 100 Jahren stark verändert. Menschen übten Berufe aus, die es heute nicht mehr gibt. Vor mehr als 100 Jahren begann der westfälische Zoologe Dr. Hermann Reichling (1890- 1948) die Landschaften Nordwestdeutschlands zu fotografieren und später auch zu filmen. Nachdem seine Bilder und Filme mit Unterstützung der NRW-Stiftung in den vergangenen Jahren digitalisiert wurden, stehen sie nun im Mittelpunkt einer Wanderausstellung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).
Reichling war von 1919 bis 1933 und von 1945 bis 1948 Direktor des heutigen LWL-Museums für Naturkunde. Er und später sein Sohn Dr. Helmut Reichling leiteten und prägten über viele Jahre als Direktoren und Vorsitzende des Zoovereins den Westfälischen Zoologischen Garten, den heutigen Allwetterzoo in Münster. Einige Bilder aus dieser Zeit sind in der Ausstellung zu sehen.
Auf großformatigen Schwarzweiß-Fotos stellt die Ausstellung Menschen, Natur und Landschaft vor etwa 100 Jahren vor. Auf tausenden Glasplattenfotografien hatte Hermann Reichling zwischen 1912 und 1948 die Tier- und Pflanzenwelt Nordwestdeutschlands dokumentiert. Seine Fotos und Filme zeigen, wie sehr sich die Landschaft seit Beginn des 20. Jahrhunderts verändert hat.
Verschwundene Berufe und Begriffe
Zu sehen sind u.a. Vogelfänger, die mit Hilfe von Lockvögeln, den sogenannten Wacholderdrosseln (in Westfalen Krammetsvögel genannt), kleine Singvögel zum Verkauf auf dem Markt gefangen haben. Als Ornithologe fotografierte Reichling gerne die Venntüten. Es handelt sich dabei um die früher weit verbreiteten Großen Brachvögel. Sie haben ihren Lebensraum in Mooren und Feuchtwiesen. Auch Plaggenstecher beobachtete Reichling bei ihrer Arbeit. Plaggenstecher haben früher in den Heidegebieten den obersten Boden abgetragen, um ihn als Einstreu im Stall zu nutzen.
Veröffentlichungen
Zur Ausstellung hat das LWL-Museum für Naturkunde ein gleichnamiges Begleitbuch veröffentlicht (116 Seiten, 14,80 Euro, ISBN 978-3-940726-44-5).
Das LWL-Medienzentrum für Westfalen hat außerdem zusammen mit dem LWL-Museumsamt einen von der NRW-Stiftung geförderten Bildband zur Fotosammlung herausgegeben, der im Tecklenborg-Verlag erschienen und über den Buchhandel zu beziehen ist (256 Seiten, 19,90 Euro, ISBN 978-3-944327-37-2).
Ausstellungsstationen
Heimatmuseum Netpherland, Netphen
06.05.2019 - 16.08.2019
Heimathaus Verl
22./23.08.2019 - 04.11.2019
VHS im Dorfschultenhof, Datteln
05.11.2019 - 13.01.2020
Städtisches Museum Lemgo
14.01.2020 - 16.03.2020
Westfälischer Schieferbergbau- und Heimatmuseum Holthausen, Schmallenberg
26.05.2020 - 27.07.2020
Heimathaus Bevergern, Hörstel
28.07.2020 - 17.12.2020
Haus der Geschichte, Kamen
11.01.2021 - 02.05.2021
Neues Sehen – Neue Sachlichkeit. Fotografische Positionen in Westfalen vom Bauhaus bis heute
Eine Wanderausstellung des LWL-Museumsamtes für Westfalen in Kooperation mit dem Fotografen Dieter Blase
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) nimmt das Jubiläum 100 Jahre Bauhaus zum Anlass, in der Wanderausstellung „Neues Sehen – Neue Sachlichkeit. Fotografische Positionen in Westfalen vom Bauhaus bis heute“ Impulse aus Westfalen auf die klassische Moderne im Bereich der Fotografie aufzuzeigen. In drei Zeitabschnitten stellt die Ausstellung dar, wie sich die Fotografie in Westfalen zu einem eigenständigen künstlerischen Medium entwickelte: Beginnend bei den Fotografen des Bauhauses und Albert Renger-Patzsch bis zu zeitgenössischen Künstlern verdeutlicht die Ausstellung Traditionslinien und Brüche. Die Schau startet am 21. Juni 2019 in Hagen und ist bis November 2020 an sieben weiteren Standorten in Westfalen-Lippe zu sehen.
Die Fotografen des Bauhauses gingen bei den Darstellungskonzepten neue Wege: Aufsicht, Untersicht, Nahaufnahmen und Experimente mit Licht nutzten sie als Stilmittel. Albert Renger-Patzsch setzte mit den „Ruhrgebietslandschaften 1927-1935“ einen Kontrapunkt zu diesen Kompositionsschemata. Absolute Gegenstandstreue, präzise Beleuchtung der Objekte und Detailgenauigkeit waren sein Credo. In der Tradition steht auch OttoSteinert, der die Anregungen aufgriff und weiterentwickelte. Damit ist die künstlerische Fotografie in Westfalen nicht nur um regionalspezifische Motive bereichert worden, sondern auch um international bedeutende Fotografen, wie Albert Renger-Patzsch (Möhnesee-Wamel), Otto Steinert (Essen) und Erich Angenendt (Dortmund). So wurden Architektur und Landschaft Westfalens zum Thema für die klassische Moderne. Die insgesamt 54 ausgestellten Arbeiten zeigen, dass sich die westfälischen Fotografen im künstlerischen Spannungsfeld von Dokumentation und Abstraktion bewegten.
Bauhaus und Neue Sachlichkeit haben die Grundlagen einer Moderne in Deutschland von 1919 bis 1933 gelegt. Fotokünstlerische Strömungen wie „subjektive fotografie“, aber auch Einzelpositionen nahmen das avantgardistische Erbe nach dem Zweiten Weltkrieg wieder auf. Auch die jüngere Fotogeschichte offenbart zahlreiche Berührungspunkte zur Ästhetik und Programmatik der Neuen Sachlichkeit. Dies zeigt sich beispielsweise in der Studienklasse von Bernd und Hilla Becher an der Kunstakademie Düsseldorf.
„Mit der Ausstellung wollen wir den Blick dieser Fotografen dokumentieren: Wie nahmen sie die Umwelt wahr? Es gibt weder eine Fokussierung auf einen Fotografen, noch auf ein Thema“, sagt LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, „Schwerpunkte sind das Bauhaus und die Neue Sachlichkeit und die Folgen. Die Ausstellung soll das Verständnis für zeitgenössische Kunst und insbesondere für Stile und Themen zeitgenössischer Fotografie in Westfalen stärken.“
54 Reproduktionen, vintage prints und modern prints werden durch einige Objekte wie Bücher und Zeitschriften in Vitrinen ergänzt. Der Sammler und Galerist Jürgen Wilde unterstützt die Ausstellung mit wichtigen Werken von Albert Renger-Patzsch. „Die Ausstellung verdeutlicht die Wurzeln aktueller Entwicklungen und leistet einen Beitrag zu der gegenwärtigen kulturpolitischen Diskussion um die kulturelle Allgemeinbildung breiter Bevölkerungsschichten“, so die Leiterin des LWL-Museumsamtes, Dr. Ulrike Gilhaus. „Damit kommt der LWL seinem Auftrag nach, Kultur in die Fläche zu bringen und allen Menschen in Westfalen den Zugang zu kulturellen Angeboten zu ermöglichen“, sagt Gertrud Welper, Stellvertretende Vorsitzende der LWL-Landschaftsversammlung, die die Ausstellung in Hagen eröffnet.
Ein Katalog vertieft die Themenbereiche und zeigt die einzelnen Werke der Ausstellung. Er umfasst 140 Seiten mit zahlreichen Abbildungen und kann bei den Ausstellungsstationen oder beim LWL-Museumsamt für 14,90 Euro erworden werden.
Darüber hinaus wurde von der Geschichtsmanufaktur Dortmund ein museumspädagogisches Begleitprogramm für Erwachsene sowie die Sekundarstufe II entwickelt.
Hintergrund
Das Bauhaus, als Hochschule 1919 in Weimar von Walter Gropius gegründet und später in Dessau und Berlin beheimatet, feiert 2019 sein hundertjähriges Bestehen. Unter dem Motto „100 jahre bauhaus im westen“ stellt Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit den beiden Landschaftsverbänden Rheinland (LVR) und Westfalen-Lippe (LWL) durch Ausstellungen und andere Veranstaltungen die Reformideen und Wirkmacht der Bauhaus-Bewegung vor, die noch heute unser tägliches Leben beeinflusst. Auch das LWL-Museumsamt für Westfalen nimmt dieses Jubiläum zum Anlass, in der Wanderausstellung „Neues Sehen – Neue Sachlichkeit. Fotografische Positionen in Westfalen vom Bauhaus bis heute“ Impulse aus Westfalen auf die klassische Moderne im Bereich der Fotografie aufzuzeigen.
Ausstellungsstationen
Osthaus Museum, Hagen
21.06.2019 - 18.08.2019
Mindener Museum
24.08.2019 - 20.10.2019
Städtisches Museum Warstein
03.11.2019 - 05.01.2020
Medizin- und Apothekenmuseum Rhede
12.01.2020 - 08.03.2020
Museen der Stadt Lüdenscheid
16.05.2020 - 12.07.2020
Museum Haus Hövener, Brilon
19.07.2020 - 13.09.2020
KulturBahnhof Grevenbrück, Lennestadt
15.09.2020 - 18.10.2020
Sommer 1969 – Westfalen im Mondfieber
Eine Wanderausstellung des LWL-Museumsamtes zum 50. Jahrestag der ersten bemannten Mondlandung
„Dies ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein gewaltiger Sprung für die Menschheit.“ – Mit diesen berühmt gewordenen Worten beschrieb der amerikanische Astronaut Neil Armstrong, dessen Vorfahren aus Ladbergen in Westfalen stammten, am 21. Juli 1969 den Moment als der erste Mensch einen Fuß auf den Mond setzte. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) erinnert 50 Jahre später mit der Wanderausstellung „Sommer 1969 – Westfalen im Mondfieber“ daran. Die Ausstellung wurde vom LWL-Museumsamt für Westfalen erarbeitet. Sie war zuerst im LWL-Museum für Naturkunde in Münster zu sehen, danach wandert sie durch weitere sieben Museen in Westfalen.
Das LWL-Museumsamt zeichnet in der kulturgeschichtlichen Wanderausstellung die historischen und politischen Entwicklungen mit dem spektakulären Wettlauf zwischen den beiden Großmächten USA und Sowjetunion bis hin zur Mondlandung nach, gibt technisch-naturwissenschaftliche Einblicke in das Thema und arbeitet auf, wie die Mondlandung in Westfalen aufgenommen worden ist. Zu sehen sind Objekte wie eine Münze, die aus Originalmaterial des Apollo 11-Raumschiffes gefertigt wurde. Ein besonderer Höhepunkt ist echter Mondstaub, der mit der Apollo 15-Mission auf die Erde gelangte. Zur Ausstellung gehören auch Dinge, die den Betrachter zum Schmunzeln bringen, wie eine Apollo-Kochschürze. An fünf Medienstationen wird das Jahr 1969 wieder lebendig gemacht. Ein museumspädagogisches Begleitprogramm (Führung) und ein Angebot in einfacher Sprache machen die Ausstellung für möglichst viele Menschen zugänglich. Die Führung ist im LWL-Museum für Naturkunde voraussichtlich ab dem 30. April über das Servicebüro des Museums zu buchen. Das Angebot in einfacher Sprache steht voraussichtlich ab dem 7. Mai zur Verfügung.
Wie Armstrong damals selbst sagte, war es ein simpler Vorgang für ihn: Er brauchte nur den einen Fuß vor den anderen zu setzten und von der Leiter des Mondlandemoduls „Eagle“ (Adler) zu steigen. „Doch es war viel mehr als nur ein Schritt. Jahrzehntelange Vorbereitung, Planung, Training, sowie heftige Rückschläge pflasterten den langen und gefährlichen Weg zum Mond“, sagt Felix Banzhaf vom LWL-Museumsamt. „Die Männer und Frauen, die zuerst ins All flogen, waren zunächst keine hauptberuflichen Wissenschaftler, wie viele Astronauten und Kosmonauten heute, sondern Testpiloten und Kampfflieger. Die neue Raketentechnik, die den Transport in den Weltraum erst möglich machte, stammte ebenfalls aus dem Militär und war zunächst als Träger für Sprengstoff, also als Waffe geplant“, so der Ausstellungsmacher weiter. Die Ausstellung weist auch auf die dunklen Seiten der Raumfahrtgeschichte hin und erinnert beispielsweise an das Leid der Zwangsarbeiter, die im Zweiten Weltkrieg in der deutschen Raketenproduktion eingesetzt waren.
Das spektakuläre Ereignis der Mondlandung verfolgten 1969 viele Millionen Menschen zu Hause, bei Freunden oder in der Kneipe an den damals noch nicht ganz so weit verbreiteten Fernsehgeräten. 28 Stunden dauerte eine Sondersendung im WDR. Die Faszination für die Weltraumfahrt und die Mondlandung war schon durch erste technische Errungenschaften und Erfolge gewachsen, wie beispielsweise den ersten Satelliten „Sputnik“ oder Juri Gagarin als erstem Mensch im Weltraum. US-Präsident John F. Kennedy hatte die Aufregung noch verstärkt, indem er als Ziel erklärte, den Mond noch vor dem Ende der 1960er Jahre zu erreichen. Vorstellungen, Träume und Sehnsüchte spiegelten sich auch in der Popkultur wieder und befeuerten die zeitgenössische Aufbruchstimmung – was vor dem Hintergrund des Kalten Krieges durchaus gewollt war.
„Selbst Kinder waren begeistert: Weltraumspielzeug stand ganz oben auf der Wunschliste der Jungen, Familien lasen Jules Vernes ‚Reise um den Mond‘ und andere Bücher oder besuchten die Sternwarten“, so Banzhaf. Perry Rhodan, eine Science-Fiction-Serie im Heftroman, startete bereits 1961 mit der Landung des titelgebenden Helden auf dem Mond. Der erste Band war stark von der realen Raumfahrt inspiriert. Der Erfolg hält bis heute an: im Frühjahr 2019 ist Band 3000 der wöchentlich erscheinenden Geschichten herausgekommen. Von der (realen) Mondlandung inspiriert, entstanden neue Lieder, Briefmarken, Spielzeuge, Modelle und Filme. Die Wanderausstellung zeigt mit entsprechenden Objekten, welche populärkulturelle Effekte die Mondfahrt hatte.
Mit der ersten Mondlandung endete zwar ein langer Wettstreit, doch die Forschung im All und auf dem Mond begann erst richtig. So forschte auch der westfälische Astronaut Ulrich Walter im Weltraum. Wie hat sich die Raumfahrt bis heute entwickelt? Und wie könnte es weitergehen? Gibt es konkrete Pläne, wieder zum Mond zu fliegen? Auch auf diese Fragen gibt die Ausstellung Antworten.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog von 148 Seiten Umfang mit 151 Abbildungen, der im LWL-Museumsamt, sowie in den einzelnen Stationen für 14,90 Euro erworben werden kann.
Ausstellungsstationen
LWL-Museum für Naturkunde, Münster
19.04.2019 – 23.06.2019
Stadtmuseum Bergkamen
30.06.2019 – 25.08.2019
Museum der Stadt Lüdenscheid
01.09.2019 – 27.10.2019
Naturkunde-Museum Bielefeld
03.11.2019 – 26.01.2020
Stadtmuseum Lippstadt
02.02.2020 – 29.03.2020
Stadtmuseum Iserlohn
20.05.2020 – 28.06.2020
Mindener Museum
04.07.2020 – 27.09.2020
Wendener Hütte
04.10.2020 – 29.11.2020