Transkript anzeigen Abspielen Pausieren
Annelise Kretschmer, Selbstporträt, 1950, Repro: LWL MKuK/Hanna Neander ©Nachlass Annelise Kretschmer, LWL Museum für Kunst und Kultur, Münster

Annelise Kretschmer als Künstlerin

Annelise Kretschmer setzte Fotografie nicht mit der bildenden Kunst gleich. Fotografie war für sie etwas anderes: „Fotos sind sehr konkret, und es können viele Dinge mit der Fotografie nicht ausgedrückt werden.“ Trotz dieser eigenen Bewertung der künstlerischen Tätigkeit ist unstrittig, dass sie zu den großen (Foto)-Künstler:innen in Deutschland gehört.

Anfänge

Nordafrika

Annelise Kretschmer
1923
Bromöldruck auf Japanpapier
24,7 x 32,5 cm
LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster
C-31134 LM

Die ersten fotografischen Versuche unternimmt Annelise Kretschmer (damals noch Silberbach) mit der 6 × 9-Plattenkamera ihrer Mutter im Norden Afrikas. Sie fotografiert als Touristin aus größerer Distanz. Dabei richtet sie ihr Objektiv überwiegend frontal auf Dinge und Szenen, die ihr Interesse wecken: Es sind in ihrem klassischen Bildaufbau noch wohlkomponierte Amateuraufnahmen. Ausgewählte Motive dieser Reise wie diese Fotografie wertet sie später bei Franz Fiedler durch den jetzt erlernten Bromölumdruck ästhetisch auf.

Annelise Kretschmer, Nordafrika, 1923, Repro: LWL MKuK/Hanna Neander ©Nachlass Annelise Kretschmer, LWL Museum für Kunst und Kultur, Münster

Selbstporträt mit einer der ersten Leica-Kameras, einer Leica I

Franz Fiedler
um 1924
Silbergelatineabzug
20,4 x 15,4 cm
LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster
C-31781 LM

Bei dem Essener Fotografen Leon von Kaenel macht Annelise Kretschmer erste Erfahrungen als Porträtfotografin: In dieser Zeit zeigte sich ihre „Fähigkeit […], den Menschen im Bilde zu erfassen“. Prägender ist jedoch sicherlich ihre Ausbildung bei Franz Fiedler in Dresden. Hier lernt sie, ihre Sinne zu sensibilisieren, um „aktives Sehen“, „Denken in Bildern“ und „eine Erweiterung der optischen Erlebnisfähigkeit“ zu trainieren. So sind Kretschmers Porträtstudien aus der Dresdener Zeit einerseits geprägt vom Stil des Lehrers zwischen „klassizistischer“ und neusachlicher Auffassung. Andererseits zeugen sie vom spielerischen Umgang mit Stoffen und Posen, was ein kennzeichnendes Stilmittel in Kretschmers späterem beruflichen Porträtschaffen werden sollte.

Franz Fiedler, Selbstporträt, um 1924, Repro: LWL MKuK/Hanna Neander ©Nachlass Annelise Kretschmer, LWL Museum für Kunst und Kultur, Münster

Porträt Irma Goecke

Annelise Kretschmer
1926
Bromöldruck auf Japanpapier
36,8 x 27 cm
LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster
C-30636 LM

Das in der Dresdener Lehrzeit erlernte Bromöldruckverfahren nutzt sie als malerische wirkende Veredelungstechnik für Porträts, wie das ihrer langjährigen Freundin Irma Goecke, die zu dieser Zeit die Textilfachklasse an der Kunstgewerbeschule in Dortmund leitet.

Annelise Kretschmer, Porträt Irma Goecke, 1926, Repro: LWL MKuK/Hanna Neander ©Nachlass Annelise Kretschmer, LWL Museum für Kunst und Kultur, Münster

Stadtansichten I

Paris

Annelise Kretschmer
1928
Silbergelatineabzug
37,9 x 27,6 cm
LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster
C-30634 LM

Nach Abschluss ihrer Dresdener Ausbildung reist Annelise Kretschmer 1928 nach Paris und fotografiert das Stadtleben. Die Bildfindungen der dort entstandenen Werke wirken wie Bildideen des modernen Flaneurs. Durch die Auseinandersetzung mit dem Thema Stadtfotografie beeinflusst eine ganz neue Ästhetik ihr Werk. So ist bei der Fotografie „Paris“ eine gewisse stilistische Nähe zu den (foto-)grafischen Kompositionen von Florence Henri festzustellen.

Das Werk "Paris" wurde 1931 in einem anderen Bildausschnitt und nach links gekippt in der Zeitschrift der „Querschnitt“ publiziert.

 

Der Querschnitt, 1931, Heft 10

Annelise Kretschmer, Paris, 1928, Repro: LWL MKuK/Hanna Neander ©Nachlass Annelise Kretschmer, LWL Museum für Kunst und Kultur, Münster

Wäscherinnen

Annelise Kretschmer
1928
Silbergelatineabzug
28,9 x 35,2 cm
LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster
C-30635 LM

Banale Augenblicke werden zu Ikonen des urbanen Lebens, und einige der Bilder lassen durchaus Vergleiche mit den damals bereits bekannten Straßenfotografien von Eugène Atget (1857–1927) zu. Auch zu den Werken anderer Fotografen sind Bezüge festzustellen, wie beispielsweise zu jenen von André Kertész (1894–1985).

Annelise Kretschmer, Wäscherinnen, 1928, Repro: LWL MKuK/Hanna Neander ©Nachlass Annelise Kretschmer, LWL Museum für Kunst und Kultur, Münster

Mode

Frau mit Hut

Annelise Kretschmer
1930
Silbergelatineabzug
39,2 x 29,6 cm
LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster
C-30629 LM

Modefotografie nimmt im Oeuvre Kretschmers einen breiten Raum ein. Oft arbeitet sie dabei für das elterliche Modegeschäft. Einige der Fotos werden auch für Fortsetzungsromane in Zeitschriften genutzt. Sie selbst sagt zur Modefotografie: „Bei den Modefotos war mir die Mode sekundär – es waren Porträtaufnahmen, bei denen ich mit Stoffen und Accessoires spielen konnte.“

Annelise Kretschmer, Frau mit Hut, 1930, Repro: LWL MKuK/Hanna Neander ©Nachlass Annelise Kretschmer, LWL Museum für Kunst und Kultur, Münster

Porträt der Opernsängerin Ellice Illiard

Annelise Kretschmer
1930
Silbergelatineabzug
29,3 x 39 cm
LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster
C-30628 LM

Entsprechend der besonderen Bedeutung der Porträtfotografie für Annelise Kretschmer lässt sich für die Modefotografie bei ihr feststellen, dass Kretschmer Kleidung als spielerisches Mittel für die Bildinszenierung einsetzt. Sie arbeitet mit starken Kontrasten und experimentiert mit Oberflächen und Mustern. Dabei wird die modische Kleidung aber nicht in den Vordergrund gestellt, vielmehr wirkt sie fast beiläufig und unterstreicht die Persönlichkeit der Trägerin.

A. Kretschmer, Die Opernsängerin Ellice Illiard, 1930, Repro: LWL MKuK/Hanna Neander ©Nachlass Annelise Kretschmer, LWL Museum für Kunst und Kultur

Stadtansichten II

Der Kohlenpott. Ein Buch von der Ruhr

Georg Schwarz
1931
LWL-Museumsamt für Westfalen

Auch in ihrer Heimatstadt Dortmund begibt sich Annelise Kretschmer auf Streifzüge. Allerdings ist die Anzahl der erhaltenen Abzüge, die außerhalb des Ateliers entstehen und die Architekturen, Landschaften oder Straßenszenen aus Dortmund und seiner Umgebung zeigen, im Nachlass überschaubar. Jedoch deuten sie gemeinsam mit den fünf im 1931 veröffentlichten Buch „Kohlenpott“ von Georg Schwarz (1896–1943) abgebildeten Aufnahmen eine große motivische Spannbreite an, die bis Ende der 1950er-Jahre immer wieder sichtbar wird.

Georg Schwarz, Kohlenpott. Ein Buch von der Ruhr, 1931

Hauswand Dortmunder Norden

Annelise Kretschmer
1930
Silbergelatineabzug
38 x 28,9 cm
LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster
C-31101 LM

Der Titel des Werks „Hauswand Dortmunder Norden“ geht nicht auf die politische Dimension des Motivs – also die Wahl von 1930 – ein. Jedoch muss diese von Kretschmer mitgedacht worden sein. Sie fokussiert mit der Kamera die ganze Hauswand als bild-narrative Fläche und lenkt doch den Blick am äußersten rechten Bildrand beiläufig in die Tiefe der Wohnstraße der Arbeiterwohnsiedlung.

A. Kretschmer, Hauswand Dortmunder Norden, 1930, Repro: LWL MKuK/Hanna Neander ©Nachlass Annelise Kretschmer, LWL Museum für Kunst und Kultur, Münster

Porträts I

Bildnis Sigmund Kretschmer

Annelise Kretschmer
um 1928
Silbergelatineabzug
22,7 x 23,5 cm
LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster
C-30890 LM

1929 eröffnet Annelise Kretschmer ihr Porträtatelier in Dortmund. Ihr Stil hat sich mittlerweile vom „Piktorialismus“ der Dresdener Zeit hin zum „Neuen Sehen“ entwickelt. Die eindrucksvollen Bildnisse zeigen die Dargestellten in „knappen, fast bedrängenden Bildausschnitten ohne charakterisierendes Ambiente […]. Die Portraitierte rückt zum Greifen nah. Kopf, Rumpf, Arme und Hände bilden beziehungsreiche Achsen […].“

A. Kretschmer, Sigmund Kretschmer, um 1928, Repro: LWL MKuK/Hanna Neander ©Nachlass Annelise Kretschmer, LWL Museum für Kunst und Kultur, Münster

Porträt Tatjana Kretschmer

Annelise Kretschmer
1935
Silbergelatineabzug
39,5 x 29,9 cm
LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster
C-31553 LM

Als besonderes Genre innerhalb des fotografischen Werkes Kretschmers fallen ihre Kinderbildnisse auf. Sie haben nicht nur eine bemerkenswerte psychologische Intensität – den Kindern wird auch ein besonderer (Bild-)Raum eingeräumt. Die Bildaussage wird nicht formalästhetischen Grundsätzen unterworfen, vielmehr übermitteln eher klassische fotografische Gestaltungsmittel wie z. B. eine ausgefeilte Lichtregie oder der Einsatz von Spiegeln die Intensität der Persönlichkeit oder des Moments.

Annelise Kretschmer, Tatjana Kretschmer, 1935, Repro: LWL MKuK/Hanna Neander ©Nachlass Annelise Kretschmer, LWL Museum für Kunst und Kultur, Münster

Bildnis Nina Kretschmer

Annelise Kretschmer
1943
Silbergelatineabzug
23,7 x 17,9 cm
LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster
C-31088 LM

Eine ganz besondere Wirkung entfaltet das Porträt von Kretschmers Tochter Nina (1938–2015) aus dem Jahr 1943. Es zeigt das Mädchen mit weit aufgerissenen Augen neben einem großen Kreisel. Die Szene ist in dramatisch wirkendes Licht getaucht, das dem Bild eine unmittelbare Aura verleiht und angesichts der Zeit, in der es aufgenommen wurde, geradezu paradigmatisch anmutet.

Annelise Kretschmer, Nina Kretschmer, 1943, Repro: LWL MKuK/Hanna Neander ©Nachlass Annelise Kretschmer, LWL Museum für Kunst und Kultur, Münster

Bildnis von drei Kindern aus Worpswede

Annelise Kretschmer
1937
Silbergelatineabzug
39,4 x 29,9 cm
LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster
C-31541 LM

Diese Fotografie zeigt drei Mädchen auf einer Birkenwiese. Alle haben einen ernsten Gesichtsausdruck, nur das vorderste Kind blickt in die Kamera. Es hebt sich von vielen Bildnissen dadurch ab, dass es im Freien aufgenommen wurde und nicht allen Dargestellten die gleiche Aufmerksamkeit gewidmet wird. Die Fotografie erhält somit ohne kompositorische „Kniffe“ einen dokumentarischen Charakter.

A. Kretschmer, Drei Kinder aus Worpswede, 1937, Repro: LWL MKuK/Hanna Neander ©Nachlass Annelise Kretschmer, LWL Museum für Kunst und Kultur, Münster

Bildnis einer alten Frau

Annelise Kretschmer
1937
Silbergelatineabzug
36,7 x 28,1 cm
LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster
C-31142 LM

In den 1920er-Jahren beschäftigen sich verschiedene Fotografen, wie beispielsweise August Sander (1876–1964) oder Helmar Lerski (1871–1956) mit der menschlichen Physiognomie sowie ethnischen und sozialen „Typen“. Auch im Werk von Annelise Kretschmer finden sich zwei solch anmutende Porträtserien. So fotografiert sie 1931 Industriearbeiter im streng neusachlichen Stil im Sinn einer Typologie; 1937 entstehen Bilder von Worpsweder Torfbäuer:innen, die an Sanders Bauernporträts von 1925 erinnern.

Annelise Kretschmer, Eine alte Frau, 1937, Repro: LWL MKuK/Hanna Neander ©Nachlass Annelise Kretschmer, LWL Museum für Kunst und Kultur, Münster

Stadtansichten III

Trümmergrundstück

Annelise Kretschmer / Christiane von Königslöw
1958
Silbergelatineabzug
17,8 x 12,6 cm
LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster
C-31751 LM

Dortmunder Motive finden sich immer wieder im Oeuvre Kretschmers. Einer 1958 experimentell angelegten Studie im Stadtumfeld kommt dabei eine besondere Rolle zu. In diesem Jahr beginnt die fotografische Zusammenarbeit von Mutter und Tochter. So ist das Bildkonvolut sowohl Kretschmer, mehr noch aber ihrer Tochter Christiane (1940–2021) zuzuschreiben.

Die Aufnahmen vermitteln den Eindruck eines gemeinsamen fotografischen Lehrgangs im Außenraum. Unterschiedliche Gestaltungsmittel werden erprobt, wie Motivwahl, Wechsel von Perspektiven und Brennweiten oder der Fokus auf Licht- und Schattenkontraste an Häuserwänden.

A. Kretschmer / C. von Königslöw, Trümmergrundstück, 1958, Repro: LWL MKuK/H. Neander ©Nachlass Annelise Kretschmer, LWL Museum für Kunst und Kultur

Zwei spielende Jungen in Trümmern

Christiane von Königslöw
1958
Silbergelatineabzug
17,9 x 12,6 cm
LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster
C-31762 LM

Immer wieder fotografieren Mutter und Tochter dabei auch die Alltäglichkeit der Kinder. Aber ihr fotografisches Interesse gilt nicht nur ihnen allein, sondern auch Schattenbildern. Dafür wird der Fokus versetzt und die Blendeneinstellung verändert. Dabei zeigt sich, dass die Arbeit in der Dunkelkammer für das Bildresultat ebenso entscheidend ist wie die Arbeit vor Ort.

Christiane von Königslöw, Spielende Jungen, 1958, Repro: LWL MKuK/H. Neander ©Nachlass Annelise Kretschmer, LWL Museum für Kunst und Kultur, Münster

Spielende Kinder

Annelise Kretschmer
1950er-Jahre
Silbergelatineabzug
29,8 x 39,8 cm
LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster
C-30647 LM

Von diesem Motiv sind weitere Varianten, d.h. zu unterschiedlichen Momenten aufgenommene Bilder, im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund erhalten. Sie dokumentieren in der Zusammenschau gut die Arbeitsweise von Kretschmer und Königslöw. Oft reichen wenige Aufnahmen, um den Porträtierten oder die Situation im richtigen Moment festzuhalten.

A. Kretschmer, Spielende Kinder, 1950er-Jahre, Repro: LWL MKuK/H. Neander ©Nachlass Annelise Kretschmer, LWL Museum für Kunst und Kultur, Münster

Porträts II

Bildnis der Malerin Gerta Overbeck

Annelise Kretschmer
1974
Silbergelatineabzug
40,2 x 30,5 cm
LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster
C-30761 LM

Kretschmers Werk ist weitgehend durch Porträts bestimmt. Auch wenn der Bildaufbau, Licht und Fokus mit der Zeit variieren, so gilt ihr Interesse dem Individuum. Trotz des Spiels aus Licht und Schatten ist ihren Fotografien eine große Sachlichkeit und Schlichtheit zu eigen. Das Porträt ihrer langjährigen Freundin Gerta Overbeck fängt diesen Sinn des Bildnisses paradigmatisch ein.

Sie selbst sagt zu ihren Porträtarbeiten: „Ich wollte den Menschen so darstellen, wie er sich gerade gibt. Ich wollte ihn herauslösen aus dem Allgemeinen und versuchte, seine Eigenart zu erfassen. Dabei interessierten mich diejenigen am meisten, die meinten, sie seien nicht fotogen.“

A. Kretschmer, Die Malerin Gerta Overbeck, 1974, Repro: LWL MKuK/Hanna Neander ©Nachlass Annelise Kretschmer, LWL Museum für Kunst und Kultur, Münster

Bildnis Fritz Wotruba

Annelise Kretschmer
1961
Silbergelatineabzug
39,4 x 29,8 cm
LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster
C-30746 LM

Diese Aufnahme von 1961 zeigt den Künstler Fritz Wotruba (1907–1975) umgeben von Skulpturen: Seitlich sitzend hat er den Blick zur Kamera gedreht, während er die Hände ineinander verschränkt hält. Im Vordergrund befinden sich Steine, im Hintergrund ist eine Skulptur zu erkennen. Der Blick Wotrubas wirkt zufällig wie ein kurzer Seitenblick ohne den Anspruch, für die Kamera zu posieren oder etwas darzustellen.

Annelise Kretschmer, Fritz Wotruba, 1961, Repro: LWL MKuK/Hanna Neander ©Nachlass Annelise Kretschmer, LWL Museum für Kunst und Kultur, Münster

Bildnis Dina Vierny, Modell von Aristide Maillol in der Maillol-Ausstellung im Museum am Ostwall

Annelise Kretschmer
1962
Silbergelatineabzug
23,9 x 17,8 cm
LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster
C-31611 LM

Nach dem Zweiten Weltkrieg verändern sich Kretschmers Porträtaufnahmen: Von ihren Modellen rückt sie räumlich ab und ließ mehr Raum für den Hintergrund. Vermehrt fotografiert sie nun Personen auch außerhalb des Ateliers. So porträtiert sie Künstler:innen und Kulturschaffende, wie hier Dina Vierny, inmitten ihrer Werke oder im Ausstellungskontext.

A. Kretschmer, Bildnis Dina Vierny, 1962, , Repro: LWL MKuK/Hanna Neander ©Nachlass Annelise Kretschmer, LWL Museum für Kunst und Kultur, Münster

Urlaubsfotos

Porträt Prof. Carl-Otto Kiepenheuer in seinem Sonnenobservatorium in Anacapri

Annelise Kretschmer
1958
Silbergelatineabzug
12,7 x 14 cm
LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster
C-31041 LM

Auch im privaten Kontext ist die Kamera ein ständiger Begleiter, so beispielsweise auch bei Urlaubsreisen. Eine Reise nach Capri ist mit einem Besuch bei dem befreundeten Astrophysiker Kiepenheuer auf seiner neuen Forschungsstation verbunden. Bei den dort entstandenen Bildern verschmilzt das Genre Berufsporträt ganz selbstverständlich mit der Bestandsaufnahme des Ortes nebst wissenschaftlicher Apparaturen.

A. Kretschmer, Prof. C.-O. Kiepenheuer in Anacapri, 1958, Repro: LWL MKuK/Hanna Neander ©Nachlass Annelise Kretschmer, LWL Museum für Kunst und Kultur

Rückenansicht von zwei Frauen, eine mit Pferdeschwanz und Henkelkorb

Annelise Kretschmer
1956
Silbergelatineabzug
14,7 x 10,4 cm
LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster
C-30136 LM

Bei den späten Urlaubsbildern verlagert sich ihr Interesse zunehmend auf einzelne Szenen, die sie mit ihrem fotografisch geschulten Auge wahrnimmt – wie etwa einzelne Straßen- und Strandszenen. Die beiden Frauen ziehen vermutlich bei einem Urlaub in Camperduin die Aufmerksamkeit Kretschmers auf sich.

A. Kretschmer, Rückenansicht von zwei Frauen, 1956, Repro: LWL MKuK/Hanna Neander ©Nachlass Annelise Kretschmer, LWL Museum für Kunst und Kultur

Leporello „Urlaub im Tessin“

Annelise Kretschmer
1960er Jahre
Papier und Silbergelatineabzug
Privatbesitz

Leporellos nehmen als Gestaltungsform eine besondere Stellung bei Annelise Kretschmer ein. Sowohl für Kunden als auch im privaten Bereich werden sie von ihr zum Teil sehr aufwendig gestaltet. Bei diesem Leporello, welches Fotos von einem Urlaub im Tessin zeigen, wird zudem ihr Interesse an Strukturen und Formationen deutlich. Nur wenige Bilder zeigen Menschen, es ist von Aufnahmen aus der Natur bestimmt.

Annelise Kretschmer, Leporello „Urlaub im Tessin“, 1960er Jahre, Privatbesitz